Frankfurt am Main, 20. Januar 2026. – In Zeiten globaler Krisen zeigt sich einmal mehr, wie entscheidend Resilienz für Industrie und Gesellschaft ist. Lieferketten geraten ins Wanken, Produktionsprozesse stehen plötzlich still, und neue Bedarfe entstehen innerhalb weniger Tage. Gerade in solchen Momenten braucht es flexible Lösungen, die schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren können. Ein Ansatz, der in der neuen Folge des VDW-Podcast Tech Affair – Industry for Future in den Fokus rückt, sind so genannte Pop-up Fabriken. Diese mobilen, temporären Produktionseinheiten ermöglichen es, Kapazitäten kurzfristig aufzubauen und dort zu produzieren, wo Bedarf entsteht. Damit schaffen sie nicht nur neue Handlungsspielräume, sondern leisten auch einen Beitrag zu mehr wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit.
Wie funktionieren Pop-up Fabriken konkret? In welchen Situationen bieten sie Vorteile? Was für Potenziale bergen sie für die Zukunft der Industrie, und in welchen anderen Bereichen sind mobile Produktionskonzepte sinnvoll?
Diesen Fragen geht der VDW-Podcast in der neuen Folge Pop-up Fabriken: Von Visionen zur Realität nach. Zwei Expertinnen und Experten beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: Dr. Manuel Moritz von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Dr. Susanne Vernim vom Softwareunternehmen Tulip in München. Sie bieten Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten, Praxisbeispiele und technologische Entwicklungen, die Pop-up Fabriken bereits heute ermöglichen.
Dr. Manuel Moritz beschreibt die wissenschaftliche Sicht auf dezentrale und wandlungsfähige Produktionssysteme. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am New Production Institute untersucht er neue Wertschöpfungsmuster, die sich von klassischen zentralisierten Produktionsstrukturen unterscheiden. Er erklärt, wie modulare Technologien, Offenheit und Kollaboration dazu beitragen, Produktionskapazitäten näher an den Bedarf zu bringen und warum Pop-up Fabriken gerade in Krisensituationen strategisch relevant sind. „Wir sollten uns als Gesellschaft Pop-up Infrastruktur leisten, um mehr Wertschöpfung und Produktion in die Stadt zu holen, zugleich aber auch die Resilienz in der Gesellschaft stärken“, betont er und adressiert damit die Fähigkeit in Krisenzeiten schnell auf bestimmte Produkte umstellen zu können. Ebenso beschreibt er bereits realisierte Projekte, darunter mobile Mikrofabriken, die in der Ukraine für Wiederaufbau und Zivilschutz eingesetzt wurden.
Dr. Susanne Vernim, bringt die Perspektive aus der industriellen Softwarepraxis ein. Als Vertreterin von Tulip erläutert sie, wie modulare Softwareplattformen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Produktionsprozesse flexibel zu gestalten und schnell neue Abläufe einzuführen. Sie betont, dass Pop-up Fabriken nicht nur ein technisches Konzept sind, sondern eine neue Denkweise in der Produktion erfordern, die geprägt ist von Modularität, Digitalisierung und schneller Anpassungsfähigkeit. „Das eigentlich Entscheidende ist der Mindset Change, da Pop-up Fabriken das Potenzial haben, auch bestehende traditionelle Produktionsunternehmen zu einem Wechsel hin zu mehr Agilität und Flexibilität zu inspirieren“, argumentiert sie. Vernim zeigt, in welchen Szenarien temporäre Produktionsstätten sinnvoll sind, welche Rolle Qualifikation und Schulung spielen und wie KI-basierte Tools bereits heute Arbeitsprozesse vereinfachen.
Pop-up Fabriken stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung, doch ihr Potenzial für Industrie und Gesellschaft ist groß. Sie können Produktionsengpässe überbrücken, regionale Wertschöpfung stärken und neue Innovationsimpulse setzen. Gleichzeitig eröffnen sie neue Wege, um Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und digitale Technologien enger zu verzahnen. Die Zukunft der industriellen Produktion könnte damit nicht nur flexibler, sondern auch widerstandsfähiger und näher an den Menschen gestaltet werden. Das alles gibt es zu hören in der neuen Folge von Tech Affair – Industry for Future.
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Autorin: Luise Ernst




