Frankfurt am Main, 23. Juni 2026 – Nach drei schwierigen Jahren zeigt sich im Werkzeugmaschinenbau ein erstes Aufatmen: Die Auftragseingänge stiegen im ersten Quartal 2026 um 15 Prozent. Dennoch bleibt die Lage schwierig – Produktion, Exporte und Beschäftigung bleiben rückläufig, während der Nahost-Konflikt zu höheren Unsicherheiten und Kosten führt und damit die Investitionsbereitschaft bremst. „Die Talsohle dürfte durchschritten sein – von einer deutlichen Trendwende sind wir aber noch entfernt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Erholung verstetigt“, kommentiert Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) das Ergebnis.
Inland und Ausland trugen mit 18 bzw. 14 Prozent fast gleichermaßen zum Auftragsplus bei. Allerdings sind die Zahlen nur bedingt belastbar. Das Ausgangsniveau ist schwach, vor allem auch im Inland. Zudem spielen punktuelle Aufträge und Projektgeschäft eine wesentliche Rolle. Eine breite Nachfrageerholung ist in dieser Stärke nicht erkennbar. Stabilisierend wirken weiterhin Service- und Retrofitgeschäft. Gleichzeitig unterscheidet sich die Dynamik je nach Branche stark: Luftfahrt, Verteidigung, Medizintechnik und Elektronik entwickeln sich positiv, während Metallbearbeitung und Maschinenbau sowie insbesondere die Automobil- und Zulieferindustrie schwach bleiben.
Die Lage der Werkzeugmaschinenbranche bleibt angespannt. Die Produktion sank im ersten Vierteljahr um 11 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Der Inlandsabsatz entwickelte sich dabei mit 13 Prozent Minus schwächer als die Exporte, die um ein Zehntel nachgaben. Regional zeigt sich ein heterogenes Bild: Die USA behaupten sich als Wachstumstreiber (+8 Prozent), während Europa (-11 Prozent) deutlich nachgibt. Die Ausfuhren nach Asien sinken um 18 Prozent – maßgeblich bedingt durch den Einbruch der Exporte nach China (-32 Prozent). Vor dem Hintergrund des starken Preiswettbewerbs gewinnt das Prinzip ‚Local for Local‘ für deutsche Hersteller mit eigener Produktion vor Ort weiter an Bedeutung. Indien entwickelt sich dynamisch und ist inzwischen zum drittgrößten Absatzmarkt aufgestiegen.
Mit einem Rückgang um 8 Prozent spiegelten die Importe in den ersten drei Monaten zwar auch die Schwäche im deutschen Markt wider. Sie schnitten dennoch etwas besser ab als der inländische Absatz. Insbesondere die japanischen Hersteller konnten ihre Verkäufe in Deutschland sogar steigern. Insgesamt reduzierte sich der Inlandsverbrauch um 10 Prozent und bestätigte die Investitionsschwäche in Deutschland.
Die Auslastung der Kapazitäten in den Unternehmen war weiter rückläufig auf einen Wert von zuletzt 73 Prozentpunkten. Die notwendigen Kapazitätsanpassungen zeigen sich jetzt deutlich in der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen. Im März beschäftigte die Branche mit 60.600 Personen knapp 9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Bernhard Geis fasst abschließend zusammen: „Der Auftragsanstieg im ersten Quartal ist ein wichtiges Signal, aber noch keine Entwarnung. Für eine stabile Aufwärtsentwicklung braucht es wieder mehr Investitionsvertrauen – und verlässlichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.“
Downloads
Bild 1: Ein Hoffnungsschimmer am Horizont? Das erste Quartal bringt ein Auftragsplus im Werkzeugmaschinenbau. Quelle: Adobe Stock / Oleksandr Bachurin.
Bild 2: Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW.
Bild 3: Nach drei schwierigen Jahren zeigt sich im Werkzeugmaschinenbau ein erstes Aufatmen: Die Auftragseingänge stiegen in den ersten drei Monaten 2026 um 15 Prozent.




